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Quelle: Wirtschaftsblatt vom 20.08.2009, Authoren: David Christian Bauer, Holger Groß
 

Der Interim-Manager als Lotse durch die Krise

20.08.2009 | 12:27 | David Christian Bauer, Holger Groß (Wirtschaftsblatt)
Familienunternehmen, die krisenbedingt Umstrukturierungsbedarf haben oder einfach die wirtschaftliche Lage als Chance für eine Neuorientierung nützen wollen, bringen besondere Herausforderungen mit sich.
Rechtliche Herausforderungen. In rechtlicher Hinsicht müssen einerseits unternehmensbezogene Fragen etwa des Gesellschafts- und Arbeitsrechts sowie des Bank- und Insolvenzrechts geklärt werden. Andererseits geht es auch oft in der Familie um Fragen des Einflusses, das Privatstiftungsrecht oder die Absicherung vor Gläubigern. In wirtschaftlicher Hinsicht führt die angespannte Situation dazu, dass die bisherige Geschäftsführung alleine oft überfordert oder aufgrund interner Streitigkeiten lahmgelegt ist. Für solche Fälle gibt es in Form von Interim-Managern probate Abhilfe.
Lotse an Bord. Ein Interim-Manager ist wie ein Lotse, der einem Kapitän den Weg durch schwierige Gewässer zeigt. Ist die Strecke geschafft, geht er von Bord. In Krisenzeiten lassen sich in Familienunternehmen typischerweise zwei parallele Krisenarten identifizieren: eine Unternehmenskrise und eine Familienkrise. Der Lotse muss also zwei eng miteinander vertäute Boote dirigieren und dafür Sorge tragen, dass diese nicht auseinander driften und sich gegenseitig zum Kentern bringen.
Fehlende Managementkapazitäten. Die Herausforderungen in diesen turbulenten Zeiten sind enorm: Absatzeinbrüche, Preisverfall, Wertberichtigungsbedarf, aufgezehrtes Eigenkapital und fehlende Liquidität führen unweigerlich in die Krise. Zur Umsetzung der erfolgskritischen Maßnahmen fehlen in den Unternehmen häufig die internen Managementkapazitäten. Der Lotse kommt an Bord. Er muss das zwischenzeitlich verlorengegangene Vertrauen in die Fähigkeit zum erfolgreichen Wandel wieder herstellen.
Auf Erfolgskurs. Wie kann der Lotse erfolgreich sein? Zunächst gilt es immer, die operativen Veränderungsmaßnahmen - also das Restrukturierungsprogramm - umzusetzen. Es ist jedoch kein Interim-Manager in der Lage, Veränderungsprozesse alleine vorantreiben. Der Interim-Manager muss also nicht nur fachlich sattelfest, sondern auch ein guter Kommunikator sein. Diese Fähigkeit muss er sowohl nach außen, mit Banken, Gläubigern, Lieferanten, Abnehmern und Medien, als auch nach innen, mit Eigentümern, Belegschaft und Management, unter Beweis stellen.
Rechtliche Beratung. Parallel bedarf es einer umfassenden rechtlichen Beratung: Unternehmen werden umstrukturiert oder verkauft, Kredite müssen umgeschuldet werden. Im Ernstfall müssen Kurzarbeit oder Kündigungen ausgesprochen werden. Bei der Kurzarbeit sind auch die finanziellen Konsequenzen der damit verbundenen Behaltepflicht zu beachten.
Insolvenzverfahren. Regelmäßig sind auch Insolvenzszenarien zu entwickeln. Darüber hinaus entsteht innerhalb der Familie Unterstützungsbedarf: Die neue Lage erfordert zum Beispiel eine Abänderung von Syndikatsverträgen oder eine Abklärung der Nachfolge. Aus unterschiedlichen Gründen kann die Errichtung einer Stiftung oder die Abänderung bestehender Stiftungsdokumente erforderlich sein.
Absicherung des Privatvermögens. Dabei spielt etwa auch die Absicherung des Privatvermögens eine herausragende Rolle. So könnte man überlegen, eine Stiftung oder auch Substiftung zu errichten und auf Änderungs- und Widerrufsrechte zu verzichten, um einen Zugriff der Gläubiger auf den dort untergebrachten Teil des Vermögens zu verhindern. Dabei sind allerdings - insbesondere insolvenzrechtliche - Anfechtungsfristen zu beachten. Weiters kann eine Abänderung stiftungsinterner Einflussrechte, so zum Beispiel die Bestellung von Familienmitgliedern als Beiräte, erforderlich werden.
Fazit: Ziehen Unternehmer, Interim-Manager, Belegschaft und Rechtsanwälte an einem Strang, kann Interim-Management durchaus den Weg aus der Krise in eine erfolgreiche Zukunft bewirken.
  
Quelle: Firmenpresse vom 04.04.2008
 
Mit externem Know How schwarze Zahlen erreichen ist einer der Beweggründe, warum Unternehmen Interim Manager beschäftigen.
(firmenpresse) - Viele mittelständische Unternehmen stehen vor diesem Problem: Geht es um strukturelle Veränderungen, die Reorganisation von Arbeitsabläufen oder die Erschliessung neuer Märkte, fehlt oft das notwendige Spezialwissen und die geeignete Führungskraft im Unternehmen. Hier bietet sich als Lösung das Interim Management an, also dem zeitlich befristeten Zukauf von Managementkapazitäten. Waren Interim Manger früher vorwiegend zur Überbrückung von Vakanzen oder als „Feuerwehr“ gefragt, sind es heute immer mehr die speziellen Projekte wie Sanierung oder Restrukturierung, für die ein Interim Manager im Unternehmen gebraucht wird. Bei seinem Einsatz hat er zwei wichtige Aufgaben: Zunächst muss die bestehende Unternehmenssituation analysiert und in einem zweiten Schritt Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Von Vorteil ist hierbei, dass der Interim Manager nicht in die Hierarchie des Unternehmens eingebunden ist. Sogenannte „politische Entscheidungen“ und der Blick auf die eigene Karriere im Unternehmen sind eher unbedeutend. Vielmehr können zum Wohle des Unternehmens die Maßnahmen umgesetzt werden, die in kürzester Zeit den größten Erfolg bringen.

Und was sind das für Menschen, die als Interim Manager tätig sind? Neben Führungskräften mit viel Berufs- und Branchenerfahrung, werden heute vermehrt auch jüngere Interim Manger als Projektmanager oder Führungskraft nachgefragt. Sie haben gute Chancen vermittelt zu werden, da sie für eine Festanstellung oft überqualifiziert sind. Bei Interimsmanagern zählt dagegen gerade das Fachwissen und die Tatsache, dass sie direkt loslegen können. Das kann im Einzelfall auch bedeuten, dass jüngere Interimsmanager unterhalb oder auf der bereits erreichten Hierarchieebene eingesetzt werden. Für Interim Manager zählt bei Ihrer Tätigkeit nicht vorwiegend das Honorar. Unabhängigkeit und Flexibilität sind es, die den Reiz ausmachen: Projekte direkt angehen ohne Rücksicht auf politische Entscheidungen im Unternehmen, Reorganisieren, Aufbauen, Turnaround erreichen und dann, wenn es geschafft ist, zur nächsten „Baustelle“ wandern.
  
Quelle: foerderland.de, Fachbeitrag vom 11.12.2006, Author: Ludger Grevenkamp
 

Wie wird sich Interim Management in Zukunft entwickeln?

Deutschland hat beim Interim Management einen großen Nachholbedarf. Wenn man bedenkt, wie viel mal häufiger in Ländern wie Holland oder England Interim Manager zum Einsatz kommen als in Deutschland und dort trotzdem auch weiterhin jährliche Zuwachsraten von 10 Prozent und mehr erwartet werden, wird der Nachholbedarf noch brisanter.
Ein Beitrag von Ludger Grevenkamp
Diskrepanz zwischen Deutschland und anderen Ländern
Aber auch der Markt in Deutschland ist in den letzten Jahren – ausgehend von einem geringeren Niveau – gut gewachsen. Dennoch sind Markt und Angebot des Interim Managements bei den deutschen Unternehmen bisher wenig bekannt.
Warum gibt es eine solche Diskrepanz zwischen Deutschland und den anderen Ländern – vor allem Holland, England oder den USA?
Eine Antwort auf diese Frage muss zwangsweise verallgemeinern und wird damit klischeehaft sein. Andererseits gibt es unverkennbare Unterschiede in der Mentalität und in der Managementauffassung, die sich in der dort aufgeschlossenen und hier eher zurückhaltenden Nutzung von Interim Management äußern.
Während in USA und England und weitgehend auch in den Niederlanden das Management eher sach- und zweckorientiert denkt und handelt und ein nüchternes Kosten-/Nutzen-Denken vorherrscht, sind die deutschen Führungskräfte weit mehr personen- und konsensorientiert. Deutsche Manager neigen eher dazu, Probleme zu erklären, zu verschleppen oder wegzudiskutieren statt sie offen einzugestehen und zügig zu lösen.
Amerikaner, Engländer und auch Holländer tendieren eher zum pragmatischen Handeln oder dazu, einfach etwas zu probieren. In Deutschland analysiert man lieber und prüft theoretisch, ob etwas funktionieren kann. Ein gewisser Hang zum Perfektionismus einerseits und zum Lösen eines Problems aus eigener Kraft andererseits tun ihr Übriges.
Dabei bietet Interim Management erhebliche Chancen nicht nur für die einzelnen Unternehmen, sondern auch für die gesamte deutsche Volkswirtschaft. Das ungeheure intellektuelle Potenzial von über 10.000 Interim Managern kann deutlich besser genutzt werden. Der Know-how-Austausch zwischen den Unternehmen wird intensiviert. Veränderungen und Projekte können schneller und mit größerem Erfolg umgesetzt werden. Krisen werden verhindert oder zumindest schneller und besser bewältigt.
Angesichts der gewichtigen Vorteile des Interim Managements ist nicht nur ein kräftiges Wachstum in diesem Segment vorprogrammiert. Auch der Anteil von Interim Management Einsätzen für Change Management-Aufgaben wird in Deutschland weiter deutlich zunehmen.
Weltweite Entwicklungen
Unabhängig von länderspezifischen Gegebenheiten und Trends gibt es weltweite Entwicklungen, die die Zukunft des Interim Managements beeinflussen und bestimmen. Hier sind – getrieben von den technischen Entwicklungen und der Globalisierung – besonders zu nennen:
  • die sich ständig erhöhende Wettbewerbsintensität sowie 
  • die immer mehr vom Kapitalmarkt diktierte Wirtschaft- und Arbeitswelt.
Ununterbrochen werden Unternehmen verkauft, gekauft und zerlegt. Es wird ausgelagert, umorganisiert und umbenannt. Kaum ein größeres Unternehmen ist nicht international oder gar weltweit tätig und präsent. Dies bedeutet eine hohe Bindung von Managementkapazität bzw. einen hohen Management- und damit auch Interim Management Bedarf.
Andererseits erkennen die Mitarbeiter zusehends, dass sie selbst die einzigen sind, die sich für ihre Interessen einsetzen. Die so genannte "Selbst-AG" gewinnt zunehmend an Bedeutung. Für wen sie tätig wird, ist zweitrangig. Die aufwändigen Programme für Mitarbeiterbindung (neudeutsch "Retention"), um die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen zu fördern und die Bleibedauer der Besten zu verlängern, sind eher das "Schwimmen gegen den Strom".
Die Einstellung der Unternehmen zur Arbeit allgemein und zur Führungsarbeit im Besonderen wird weiter versachlicht werden.
Die Bereitschaft des einzelnen Managers, das eigene Know-how als Interim Manager zu vermarkten, wird deshalb weiter zunehmen, genauso wie die Aufgeschlossenheit der Unternehmen, Interim Management als ernsthafte Lösungsalternative zu berücksichtigen.
Interim Management wird fester Bestandteil eines zeitgemäßen Personalmanagements. So gewinnen die Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten, ihre Effizienz und Flexibilität weiter zu steigern und ihre Position im weltweiten Wettbewerb zu halten und auszubauen.
  
 
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